Für Menschen über 60 sind Impfungen besonders wichtig

Mit zunehmendem Alter sinkt die Abwehrkraft des Immunsystems kontinuierlich – auch wenn Sie sich noch gesund und fit fühlen. Damit gewinnen Schutzimpfungen zusätzlich an Bedeutung: Sie gleichen aus, was der Körper aus eigener Kraft nicht (mehr) schafft, und sorgen so für einen zuverlässigen Schutz vor Infektionskrankheiten. Dieser Schutz ist wichtiger denn je. Denn in der aktuellen Grippesaison geht Gefahr nicht nur von Influenza- Viren und Pneumokokken aus, sondern auch von SARS-CoV-2, besser bekannt als „Coronavirus“. Es sprechen also gleich mehrere gute Gründe dafür, in diesem Jahr keine der empfohlenen Impfungen zu versäumen:

1. Gut geschützt:

Die Influenza an sich ist in den meisten Fällen nicht lebensbedrohlich. Oft sind es eher ihre „Begleiter“. Mit der Schutzimpfung gegen Grippe und Pneumokokken verringern Sie unter anderem auch die Wahrscheinlichkeit von Herzinfarkten und Lungenentzündungen. Das ist aktuell besonders wichtig, denn schwere Verläufe einer Corona-Infektion ziehen ebenfalls die Lunge und das Herz-Kreislauf-System in Mitleidenschaft. Eine gleichzeitige Infektion mit einem Influenza- und einem Coronavirus kann daher insbesondere für ältere Menschen schwerwiegende Erkrankungen verursachen. Das Gleiche gilt für Pneumokokkeninfektionen, wenn sie gemeinsam mit einer Coronavirus-Erkrankung auftreten.

2. Risiken minimiert:

Beim schweren Verlauf einer Influenza ist oft ein Krankenhausaufenthalt nötig. Durch eine Impfung gegen Influenza und Pneumokokken sowie das Einhalten der empfohlenen Infektionsschutzmaßnahmen – wie das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung und das Abstandhalten – können Sie das Risiko schwerer Erkrankungen auch und vor allem in „Corona-Zeiten“ deutlich verringern.

Informationsflyer

PDF-Datei (öffnet in neuem Fenster):

Thüringer impft 60+

Fakt ist:

  • Nicht-Impfen gefährdet die Lebensqualität der ganzen Familie.
  • Impfen ist die wirksamste Maßnahme zum Schutz vor Infektionskrankheiten.
  • Impfungen fördern keine Allergien.

Pneumokokken-Impfung: Wirksame Prävention gegen Lungenentzündung

Viele Lungenentzündungen werden von Pneumokokken ausgelöst. Besonders gefährlich sind sogenannte invasive Verläufe von Pneumokokken-Erkrankungen, bei denen sich die Bakterien im ganzen Körper ausbreiten und zum Beispiel zu einer Sepsis führen. Wie gefährdet gerade ältere Menschen sind, zeigt ein statistischer Blick auf Thüringen:

Von den Patientinnen und Patienten, die wegen
einer Lungenentzündung in ein Krankenhaus eingewiesen
werden, sind drei Viertel über 60 Jahre
alt. Bei rund einem Fünftel von ihnen ist eine
Behandlung auf der Intensivstation erforderlich.

Sie haben es selbst in der Hand. Wenn Sie sich gegen Pneumokokken und Grippe impfen lassen, sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthalts nach einer Studie aus dem Jahr 2004 deutlich – auch wenn die konkreten Werte jedes Jahr variieren.[1, 2]

Sepsis: Die unterschätzte Gefahr

Alle sechs bis sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis, die umgangssprachlich auch als „Blutvergiftung“ bezeichnet wird. Sie ist damit die dritthäufigste Todesursache neben Krebs und Herz-Kreislauf- Erkrankungen. Von einer Sepsis spricht man, wenn eine kritische Menge Bakterien in den Blutkreislauf gelangt und so eine Überreaktion des Immunsystems provoziert: Statt die Infektion zu bekämpfen, schädigt es das eigene Gewebe und stört wichtige Organfunktionen. Tritt eine Sepsis ein, ist dies ein absoluter Notfall.

Ko-Infektionen: Grippe, Lungenentzündung und Sepsis.

Eine Sepsis entsteht oft dann, wenn das Immunsystem bereits geschwächt ist (z. B. durch Influenza-Viren) und dann noch ein weiterer Infekt, wie zum Beispiel eine Lungenentzündung dazu kommt. Derartige Ko-Infektionen können meist nur noch auf der Intensivstation behandelt werden und sind speziell für ältere Menschen oft tödlich. Mit einer Grippe- und einer Pneumokokken-Impfung sind Sie auf der sicheren Seite.

Empfohlene Impfungen

Auf der Basis jahrelanger wissen­schaftlicher Forschung zum Thema Impfen hat ein unabhängiges Gremium aus Wissen­schaftlern und Ärzten (die Ständige Impfkommission STIKO) Empfehlungen erarbeitet, gegen welche Viren und Bakterien Sie sich impfen lassen sollten. Dabei werden der Nutzen und mögliche Neben­wirkungen abgewogen – sowohl für den Einzelnen als auch für alle Bürger. Die empfohlenen Impfungen sind für Sie kostenfrei.

Empfohlene Impfungen für Sie sind:

  • Grippe, jährliche Impfung
  • Pneumokokken, einmalige Impfung, evtl. Auffrischung nach 6 Jahren
  • Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten, Auffrischung der Impfung oder neue Impfung
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung), Nachholimpfung bei Bedarf
  • FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis – eine durch Viren verursachte Gehirn-, Gehirnhaut- oder Rückenmarksentzündung) für Personen, die in FSME-Risikogebieten mit Zecken in Kontakt kommen.

Wie, wann, was – die Übersicht zu Impfungen

Wie, wann, was – die Übersicht zu Impfungen. Die Grafik zeigt eine Übersicht zu Impfungen, die von der ständigen Impfkommission empfohlen werden. Die Grippeimpfung sollte jährlich vor jeder Grippe-Saison, ab dem frühen Herbst, mit einem jährlich neu angepassten Impfstoff geimpft werden. Die Impfung gegen Pneumokokken erfolgt einmalig und kann ganzjährig durchgeführt werden. Je nach Gesundheitszustand kann diese alle sechs Jahre aufgefrischt werden. Impfungen gegen Keuchhusten erfolgen einmalig und können ganzjährig durchgeführt werden. Senioren die mit Säuglingen Kontakt haben, sollten jedoch alle zehn Jahre eine Auffrischungsimpfung erhalten. Diphtherie und Tetanus Impfungen werden ganzjährig und alle zehn Jahre verabreicht. Eine Auffrisch-Impfung erfolgt anhand eines Kombinationsimpfstoffs. Eine Impfung gegen Kinderlähmung kann ganzjährig erfolgen und wird einmalig durchgeführt. Bei einem nicht ausreichenden Schutz, kann diese Impfung wiederholt werden. Alle drei Jahre in der Wintersaison sollte gegen FSME geimpft werden. Die FSME-Impfung wird für Bewohner von Risikogebieten empfohlen.

* Senioren, die Kontakt zu Säuglingen haben, sollen sich alle 10 Jahre impfen lassen.
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Einer für alle – alle für einen

Wenn Sie den Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) nachkommen, schützen Sie damit auch Säuglinge, die noch nicht im impffähigen Alter sind – zum Beispiel Ihre Enkelkinder. Der Schutz kommt aber auch Erwachsenen zugute, die aufgrund einer chronischen Erkrankung oder eines geschwächten Immunsystems besonders anfällig für Infektionskrankheiten sind. Auf diesen Effekt baut das Konzept des Gemeinschaftsschutzes (auch Herdenimmunität): Wenn ein bestimmter Prozentsatz an Menschen in der Bevölkerung immun ist, kann sich eine Krankheit nicht weiter ausbreiten. Geimpfte Personen bauen also eine Art Schutzmauer auf, die ungeimpfte Personen mit schützt.

Gemeinschaftsschutz

Gemeinschaftsschutz. Die Grafik zeigt drei verschiedene Varianten der Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten, in einer Gruppe von Menschen von denen einige geimpft und einige nicht. Variante eins: Niemand ist geimpft. Ansteckende Krankheiten verbreiten sich ungehindert, fast alle erkranken.  Variante zwei: Ein kleiner Teil der Bevölkerung ist geimpft. Ansteckende Krankheiten verbreiten sich teilweise, weniger Mitbürger erkranken. Variante drei: Ein Großteil der Bevölkerung ist geimpft. Die Verbreitung ansteckender Krankheiten wir verhindert, kaum jemand erkrankt.

Sie können sich bei Ihrem Hausarzt, Frauenarzt oder Internisten impfen lassen. Auch einige Gesundheits­ämter oder Arbeitgeber bieten Impfungen an. Die Kosten der empfohlenen Impfungen werden für über 60-Jährige von den Kranken­kassen übernommen.

Hier finden Sie die wichtigsten Fakten zu empfohlenen Impfungen kurz zusammengefasst für Thüringer Bürger und Bürgerinnen über 60 Jahre.