Auch für Erwachsene sind Impfungen wichtig

Und, fällt Ihnen spontan ein, wo Sie Ihren Impfausweis verstaut haben? Da müssten Sie erst suchen? Damit sind Sie nicht allein. In den „besten Jahren“ denken wir häufig nicht mehr über unseren Impfschutz nach. Dabei sind Impfungen nicht nur für Kinder und Menschen über 60 wichtig. Auch Erwachsene jungen und mittleren Alters können an vermeintlichen „Kinderkrankheiten“ wie Masern oder Keuchhusten erkranken – zum Teil mit besonders schweren Verläufen. Impfungen sind die wirksamste und sicherste Methode, um sich vor diesen und anderen Infektionskrankheiten zu schützen. Dabei lernt Ihr Immunsystem, bestimmte Krankheitserreger abzuwehren.

Informationsflyer

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Thüringer impft 18-59

Fakt ist:

  • Nicht-Impfen gefährdet die Lebensqualität der ganzen Familie.
  • Impfen ist die wirksamste Maßnahme zum Schutz vor Infektionskrankheiten.
  • Impfungen fördern keine Allergien.

Gerade dieses von der Corona-Pandemie geprägte Jahr hat uns vor Augen geführt, wie verwundbar wir sind – und dass unser Gesundheitssystem nur dann funktioniert, wenn jeder Verantwortung übernimmt. Teil dieser Verantwortung ist es, den eigenen Impfschutz mindestens alle zehn Jahre überprüfen zu lassen und empfohlene Impfungen vom Arzt oder der Ärztin auffrischen bzw. nachholen zu lassen. Das gilt auch dann, wenn Sie sich rundum gesund fühlen und eher selten mit dem Thema „Impfen“ konfrontiert sind.

Sie sind noch nicht geimpft? Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, ob und wann Sie sich impfen lassen sollten.

Empfohlene Impfungen für die Altersgruppe 18-59

Auf der Basis jahrelanger wissenschaftlicher Forschung zum Thema „Impfen“ erarbeitet ein unabhängiges Gremium aus Wissenschaftlern und Ärzten (Ständige Impfkommission/STIKO) Empfehlungen, gegen welche Viren und Bakterien Sie sich impfen lassen sollten. Dabei werden der Nutzen und die Sicherheit von Impfungen auf der Grundlage gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse genau analysiert und abgewogen. Sie können sich darauf verlassen, dass diese Empfehlungen sinnvoll und sicher sind.

Ihre gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für die empfohlenen Standardimpfungen. Sie sind privat krankenversichert? Dann fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach. In der Regel werden auch hier die Kosten übernommen.

  • Masern: Einmalige Impfung für alle nach 1970 geborenen Personen über 18 mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit. Beschäftigte in Kindergärten, Schulen oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen sowie in medizinischen Einrichtungen benötigen eine zweimalige Impfung gegen Masern.
  • Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten: Auffrischung der Impfung oder falls Sie noch nicht geimpft wurden, eine Grundimmunisierung. Schwangeren wird empfohlen, sich ab der 28. Schwangerschaftswoche mit einem Kombinationsimpfstoff impfen zu lassen.
  • Kinderlähmung (Polio): Sollten Sie noch nicht geimpft sein oder Ihr Impfschutz gegen Kinderlähmung unvollständig sein, wird empfohlen diese Impfung nachzuholen.
  • FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis – eine durch Viren verursachte Gehirn-, Hirnhaut-, oder Rückenmarksentzündung): Empfohlen, wenn Sie in FSME-Risikogebieten mit Zecken in Kontakt kommen.
  • Röteln: Empfohlen für Frauen im gebärfähigen Alter, falls sie sich unsicher über ihren Impfstatus sind oder wissen, dass sie noch nicht geimpft wurden.
  • Windpocken (Varizellen): Frauen mit Kinderwunsch, die keinen Impfschutz haben oder noch nicht an Windpocken erkrankt waren, sollten diese Impfung nachholen.

Masern sind keine Kinderkrankheit

Masern werden oft als „Kinderkrankheit” bezeichnet. Völlig zu Unrecht, denn der Erreger ist hoch ansteckend und kann sehr leicht übertragen werden – auch auf erwachsene Menschen. Die typischen roten Hautflecken werden oft von Fieber und einem erheblich geschwächten Allgemeinzustand begleitet. Im schlimmsten Fall verläuft die Erkrankung lebensbedrohlich. Heutzutage sind viele Kinder gegen Masern geimpft – in Thüringen rund 93 Prozent.[1] Erkrankungen treffen daher vermehrt ungeschützte Jugendliche oder Erwachsene.[2] Besonders wichtig ist der Impfschutz für Gemeinschaftseinrichtungen
wie Kindergärten oder Pflegeheime sowie im Gesundheitswesen. Dort kommen täglich viele Menschen
in geschlossenen Räumen zusammen und die Ansteckungsgefahr ist um ein Vielfaches höher. Deshalb gilt für Beschäftigte in solchen Einrichtungen, die nach 1970 geboren sind, seit Anfang 2020 eine Impfpflicht.

Sollten Sie noch keine Masern-Impfung haben, wenden Sie sich einfach an Ihren Arzt oder Ihre Ärztin.

Röteln sind eine Gefahr in der Schwangerschaft

Eine noch immer unterschätzte Gefahr geht von den Röteln aus. Die hochansteckende Virusinfektion hat besonders schwerwiegende Konsequenzen, wenn sich eine schwangere Frau damit ansteckt. Dann kann das Ungeborene eine sogenannte Rötelnembryopathie bekommen – eine Schädigung während der ersten vier Schwangerschaftsmonate, die mit Blindheit, Taubheit, Herzfehlern, geistigen Behinderungen oder sogar dem Tod des Babys einhergehen kann.[4] Wirksamen Schutz gegen diese schlimmen Folgen bietet nur eine Impfung der Mutter.

Einer für alle – alle für einen

Mit den meisten Impfungen schützen Sie nicht nur sich selbst, sondern auch die nicht geimpften Menschen in Ihrer Umgebung. Wenn Sie zum Beispiel Ihre Kinder gegen Masern impfen lassen, schützen Sie damit automatisch auch Säuglinge, die noch nicht im impffähigen Alter sind. Sie schützen aber auch Erwachsene, die aufgrund einer chronischen Erkrankung oder eines geschwächten Immunsystems besonders anfällig für Infektionskrankheiten sind. Auf diesen Effekt baut das Konzept des Gemeinschaftsschutzes (auch „Herdenimmunität”): Wenn ein bestimmter Prozentsatz an Menschen in der Bevölkerung
immun ist, kann sich eine Krankheit nicht weiterausbreiten. Geimpfte Personen bauen also eine Art Schutzmauer auf, die ungeimpfte Personen mit schützt. Je mehr Menschen geimpft sind, desto größer ist auch der Schutz nicht geimpfter Menschen.

Gemeinschaftsschutz

Gemeinschaftsschutz. Die Grafik zeigt drei verschiedene Varianten der Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten, in einer Gruppe von Menschen von denen einige geimpft und einige nicht. Variante eins: Niemand ist geimpft. Ansteckende Krankheiten verbreiten sich ungehindert, fast alle erkranken.  Variante zwei: Ein kleiner Teil der Bevölkerung ist geimpft. Ansteckende Krankheiten verbreiten sich teilweise, weniger Mitbürger erkranken. Variante drei: Ein Großteil der Bevölkerung ist geimpft. Die Verbreitung ansteckender Krankheiten wir verhindert, kaum jemand erkrankt.

Und was ist mit Nebenwirkungen?

Nebenwirkungen bei Impfungen sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Sollten Sie dazu Fragen haben, hilft Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin gern weiter. Die Nebenwirkungen klingen meist nach ein bis drei Tagen wieder ab und sind in jedem Fall weniger schlimm als die Symptome der Krankheit und deren mögliche Folgeschäden. Generell sind Impfungen sehr sicher und gehen nur äußerst selten mit schwerwiegenden Komplikationen einher.

Und was ist mit den Zusatzstoffen?

Alle Inhaltsstoffe in den zugelassenen Impfungen sind vom Bundesinstitut für Impfstoffe (Paul-Ehrlich-Institut) geprüft. Es gilt: Die Zusatzstoffe von Impfungen sind sicher.  

So wird ein Impfstoff geprüft

So wird ein Impfstoff geprüft. Die Graphik zeigt die verschiedenen Stufen der Prüfung von Impfstoffen durch das Paul-Ehrlich-Institut. Bevor ein Impfstoff zugelassen wird, wird dieser zuerst an Tieren und zuletzt an bis zu 10000 Menschen getestet auf Wirksamkeit, Sicherheit und Effektivität. Selbst nach der Zulassung werden Impfstoffe im Einsatz überwacht.

Hier finden Sie die wichtigsten Fakten zu empfohlenen Impfungen kurz zusammengefasst.
Wir wollen Ihnen wissenschaftlich fundiert und gut verständlich Informationen für eine eigenständige Entscheidung bieten.